31.12.2021

Neujahrsgruß 2022

 

Am Beginn eines neuen Jahres steht der Segenswunsch, mit dem Gott das Volk Israel durch Aaron segnen lässt:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten

und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu

und schenke dir Frieden.

(Numeri 6,24-26)

 

In Zeiten, in denen wir auf dem Pandemievulkan tanzen, spüren wir, dass es ein Segen wäre, keine Angst mehr haben zu müssen vor einer Ansteckung oder einem schweren Krankheitsverlauf.

Ein Segen wäre es, sich endlich wieder frei und ohne Maske und Abstand bewegen zu können und so viele Menschen zu treffen, wie man möchte. Ein Segen wäre es auch, nicht mehr fürchten zu müssen, dass das griechische Alphabet nicht ausreicht zur Bezeichnung der Mutationen des Virus.

Aber ist das schon die ganze Wahrheit über den Segen?

Das Erste Testament begreift das Segenswort über einen Menschen als Erfahrung von Gottes Zuwendung, Ermutigung und Trost, gerade in Zeiten der Verängstigung und Krise. Das gilt besonders für die Zeit der Pandemie.

Wir vertrauen einem Gott, dem seine Schöpfung nicht egal ist. Mit seinem Geist, dem Geist der Liebe, dürfen wir gerade heute rechnen. Er inspiriert Wissenschaftler, lässt sie Impfstoffe entwickeln. Er gibt Politikerinnen und Politikern die Courage, Notmaßnahmen zu ergreifen, um das Unvereinbare zu vereinbaren – nämlich Freiheit, Gesundheit und Wirtschaft. Und er ruft allen zu: Hört aufeinander, widersteht der Gewalt in Worten und bei Demonstrationen. Und seid vor allem solidarisch mit den Menschen mit Vorerkrankungen, mit denen, deren Lebensfreude schwindet, und mit allen Pflegekräften und Ärzten auf den Intensivstationen.

Das Segenswort aus dem Buch Numeri ruft uns zu: Fürchtet euch nicht! Habt Vertrauen und werdet im neuen Jahr als Gesegnete selbst zum Segen für die Menschen.

 

Raphael Steinke

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